Einsatz von Probiotika bei Depressionen

Entzündungsprozesse im Körper strapazieren nicht nur den gesamten Stoffwechsel, sie wirken sich auch auf chemische Vorgänge im Gehirn aus. Ob die entzündungshemmende Wirkung von Probiotika neben metabolischen Werten auch den Zustand einer Depression verbessern kann, untersuchte eine Iranische Studie.

Übergewicht, Störung des Insulin- und Glukose- sowie des Fettstoffwechsels und Bluthochdruck sind Komponenten des Metabolischen Syndroms und deuten auf eine Entzündungssituation im Körper hin. Studiendaten zeigen Zusammenhänge zwischen metabolischem Profil, Entzündungsmarkern und Depressionen: Menschen mit einer depressiven Störung weisen ein doppelt bis dreifaches Risiko auf, an eine kardiovaskuläre Erkrankung zu entwickeln. Hohe Konzentrationen von Entzündungsmarkern wie z.B. dem hochsensitiven C-reaktiven Protein (hs-CRP) liegen bei erhöhtem Herzinfarktrisiko als auch bei Depressionen vor. Entzündungsprozesse im Körper verursachen oxidativen Stress, Antioxidantien müssen freie Radikale beseitigen – doch bei Depressionen ist der Antioxidantien-Spiegel gering. Probiotika verbesserten in klinischen Studien nicht nur Entzündungs- und Stoffwechselparameter, sondern auch psychologische und Stimmungswerte.

Grafik: Verbesserte Werte für Depression und Stoffwechsel nach Probiotikagabe. Dargestellt sind die Änderungen der Mittelwerte des Beck Depressions Inventar (BDI) und des Insulins im Serum nach einer 8-wöchigen Intervention mit Probiotika oder Placebo.

Eine aktuelle Placebo-kontrollierte Studie aus dem Iran untersuchte den Effekt von Probiotika auf Symptome einer Depression und metabolische Parameter in 40 Patienten mit Depressionen. Über einen Zeitraum von 8 Wochen erhielten 20 Patienten täglich ein Probiotikum (jeweils 2 x 109 CFU/g Lactobacillus acidophilus, L. casei und Bifidobacterium bifidum). 20 Patienten erhielten ein Placebo. Primärer Endpunkt war die Auswertung psychologischer Testdaten anhand des Beck Depressions Inventars (BDI), welcher die Schwere einer Depression im klinischen Bereich erfasst. In der Probiotika-Gruppe zeigte sich ein signifikant reduzierter BDI Score im Vergleich zur Kontrolle (p=0,001). Weiterhin wurden metabolische Messwerte anhand von Blutproben bestimmt. Die Probiotikagabe führte zu einer signifikanten Senkung der Insulinwerte im Serum (p=0,03). Daraus resultierend verringerte sich auch der zur Errechnung einer Insulinresistenz herangezogene HOMA-IR Index (p=0,03). Unter Probiotika war der Entzündungsmarker hs-CRP signifikant niedriger (p=0,03). Außerdem erhöhte sich im Vergleich zur Placebo-Gruppe der Wert für Glutathion (p=0,02), ein im Körper wichtiges Antioxidans.

Insgesamt deutet die Studie auf klare Zusammenhänge zwischen Entzündung und Depressionen hin und zeigt, dass Probiotika Entzündungsprozesse im Körper reduzieren und sich positiv auf depressive Zustände auswirken können.

Originalpublikation

Akkasheh G, Kashani-Poor Z, Tajabadi-Ebrahimi M, Jafari P, Akbari H, Taghizadeh M, Memarzadeh MR, Asemi Z, Esmaillzadeh A (2016). Clinical and metabolic response to probiotic administration in patients with major depressive disorder: A randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Nutrition 32:315-20. (PubMed)

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