Veränderungen der Mikrobiota bei depressiven Erkrankungen

Bei der Pathogenese von neuropsychiatrischen Erkrankungen wie Depressionen kann auch die Darmmikrobiota eine Rolle spielen. Japanische Wissenschaftler wiesen auf eine reduzierte Anzahl von Bifidobakterien und Lactobacillen im Darm bei Patienten mit Depressionen hin.

Ursachen für Depressionen sind vielseitig und individuell verschieden. Genetische Komponenten werden genauso diskutiert wie Umwelteinflüsse, Infektionen, Hormone und Medikamente. Patienten mit Depression leiden oft am Reizdarmsyndrom, einem typischen Erscheinungsbild von psychologischem Stress, der sich im Darm manifestiert. Es wird von einem geringeren Vagustonus und verstärkter Aktivität des sympathetischen Nervensystems ausgegangen.

Bifidobakterien und Lactobacillen können einen positiven Einfluss auf Stressreaktionen, depressive Verstimmungen sowie Symptome des Reizdarms nehmen, wie vergangene Studien zeigten.

Die vorliegende Studie aus Japan analysierte die Mikrobiota bei Patienten mit Depressionen (n=43) hinsichtlich der Anzahl an Bifidobakterien und Lactobacillen im Vergleich zu gesunden Probanden (n=57). Zudem interessierten die Wissenschaftler, ob ein Zusammenhang mit dem Reizdarmsyndrom besteht. Eine Analyse der Stuhlproben ergab, dass Patienten mit Depressionen signifikant weniger Bifidobakterien (p=0,012) und Lactobacillen (p=0,067) im Stuhl aufwiesen als gesunde Kontrollen. Mittels statistischer Methoden errechneten die Autoren einen Cut-Off Wert für Bifidobakterien (9,53 log10 Zellen/g) und Lactobacillen (6,49 log10 Zellen/g), anhand dessen sich Patienten von Gesunden unterscheiden ließen. Im Verhältnis fielen signifikant mehr Patienten mit Depressionen unter den für Bifidobakterien und für Lactobacillen ermittelten Cut-Off Wert (OR 3,23 und 2,57) im Vergleich zu Kontrollen. Wie erwartet, litten auch deutlich mehr Patienten mit Depressionen an einem Reizdarmsyndrom als Kontrollpersonen (33% vs. 12%; p=0,014). Betrachteten die Autoren die Gesamtzahl der Teilnehmer, so trat ein Reizdarm signifikant häufiger in Individuen auf, die unter den ermittelten Schwellenwert für Bifidobakterien und Lactobacillen fielen.

Ein Schwachpunkt der Studie ist, dass nur die Gesamtzahl an Bifidobakterien und Lactobacillen ermittelt und Faktoren wie Medikation und Ernährung nicht weiter in Betracht gezogen wurden. Die Ergebnisse zeigten allerdings einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten einer Depression und reduzierten Bifidobakterien-Lactobacillen-Zahlen in der Darmmikrobiota.

 

Originalpublikation

Aizawa E, Tsuji H, Asahara T, Takahashi T, Teraishi T, Yoshida S, Ota M, Koga N, Hattori K, Kunugi H (2016). Possible association of Bifidobacterium and Lactobacillus in the gut microbiota of patients with major depressive disorder. J Affect Disord 202:254-7. (PubMed)

 

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