Können Probiotika Impfungen unterstützen?

Die individuelle Immunantwort nach einer Impfung kann stark variieren. Über immunmodulierende Eigenschaften könnten Probiotika dabei helfen, eine anhaltende Impfantwort zu erzielen. Ein systematischer Review des Fachjournals Vaccine bewertet probiotische Anwendungen zur Verbesserung der Impfeffektivität.

 Impfungen werden meist mit Adjuvanzien verabreicht, um die Impfwirkung zu verstärken und dazu beizutragen, ein ausreichendes immunologisches Gedächtnis hervorzurufen. Ein systematischer Review aus Australien untersuchte anhand von 26 Placebo-kontrollierten Studien mit insgesamt 3812 Teilnehmern, ob eine begleitende Probiotikagabe die Effektivität einer Impfung verbessern kann. Die Autoren analysierten den Effekt von 40 verschiedenen probiotischen Stämmen (mit einer täglichen Dosis von 108 bis 1013 CFU) auf die humorale Immunantwort in Form von Vakzin-spezifischen Antikörpern in Plasma oder in Stuhlproben und teilten die Ergebnisse nach Alter der Geimpften ein.

Grafik: Verbesserung der Impfantwort durch Probiotika bei Neugeborenen, Kindern und Erwachsenen. Gezeigt ist die Gesamtheit der im systematischen Review analysierten Studien (blau) und der Anteil, der eine Verbesserung der Impfantwort durch Probiotika verzeichnete (rot).

Beginnend mit der Gruppe der Neugeborenen zeigten zwei von vier Studien höhere Antikörperwerte durch Probiotika: Haemophilus influenzae-spezifische Antikörper waren nach einer 6 monatigen Kombinationsgabe von Bifidobacterium breve, Lactobacillus rhamnosus GG, L. rhamnosus und Propionibacterium freudenreichii erhöht (50% vs. 21%, p = 0,020). Ebenso verbesserten sich der Poliomyelitis-spezifische Antikörpertiter nach 4-monatiger Gabe eines Mischpräparats (p < 0,020). Unterschiedliche Ergebnisse zeigten sich bei fünf Studien mit 541 Kindern im Alter zwischen 2 und 12 Jahren. Hier erzielte nur eine von 3 parenteralen Impfungen einen signifikanten Anstieg von Diphterie-spezifischen Immunglobulinen durch  L. paracasei im Vergleich mit Kontrollen (p = 0,044). Eine orale Rotavirus-Impfung mit folgender L. casei Gabe für 6 Tage zeigte vermehrte Rotavirus-spezifische IgM Zellen (p = 0.020) mit höheren Serokonversionsraten (93% vs. 74%, p = 0,050). Eine andere Studie ergab allerdings eine verringerte Immunantwort auf eine orale Cholera Impfung nach 3 wöchiger Bifidobakterium breve Intervention (p = 0,016). Von insgesamt 12 Studien einer Probiotikagabe zur Grippeimpfung in Erwachsenen zeigten 5 Studien eine verstärkte Antwort von Influenza-spezifischen Antikörpern.

Aufgrund der großen Heterogenität zwischen den Studien und den verwendeten Probiotika kann keine spezifische Schlussfolgerung erfolgen. Die Autoren sehen aber einen verbessernden Impfstatus durch Probiotika wie B. breve, B. lactics und L. acidophilus sowie L. rhamnosus.

Originalpublikation

Zimmermann P, Curtis N (2017). The influence of probiotics on vaccine responses – A systematic review. Vaccine, http://dx.doi.org/10.1016/j.vaccine.2017.08.069

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