Darmmikrobiota bei Reizdarmpatienten verändert

Die Darmmikrobiota spielt eine wichtige Rolle bei der Pathophysiologie des Reizdarms. Zur Analyse dieser mikrobiellen Gemeinschaft gibt es verschiedene Methoden. Sämtliche Daten, die mittels Real-time PCR in klinischen Reizdarmstudien gewonnen wurden, wertete nun eine Metaanalyse aus.

Mit der quantitativen Echtzeit-Polymerase Kettenreaktion (=Real-time PCR) kann bakterielle DNA aus Stuhlproben anhand des Enzyms DNA-Polymerase vervielfältigt und dessen relative Menge bestimmt werden. Wissenschaftler aus Shanghai analysierten für einen systematischen Review mit Metaanalyse klinische Studien zum Reizdarm, die speziell mittels quantitativer Real-time PCR Veränderungen der Mikrobiota im Stuhl feststellten. Dazu wählten sie nach Literaturrecherche 13 Studien mit insgesamt 360 Reizdarmpatienten und 268 gesunden Probanden aus. Selektionskriterien waren der Vergleich der Reizdarmmikobiota mit einer gesunden Mikrobiota, das Untersuchungsmaterial (Gewebe oder Stuhlproben) sowie die Analyse mittels quantitativer Real-time PCR. Eine eigens aufgestellte Qualitätskontrolle mit 8 Kriterien bewertete die ausgewählten Studien, die alle zufriedenstellend waren.

Grafik: Signifikant reduzierte Expression von Faecalibacterium prausnitzii, Bifidobakterium und Lactobacillus in Stuhlproben von Patienten mit Reizdarm im Vergleich zu gesunden Kontrollen. Gezeigt ist die Mittelwertdifferenz (SMD) der bakteriellen Expression ermittelt durch Real-time PCR. Links: alle Reizdarmpatienten; rechts: Subtyp Diarrhö.

Als Ergebnisse der Real-time PCR wurde die Mittelwertdifferenz (standard mean difference, SMD) berechnet. Die Auswertung zeigte eine signifikante Reduktion in der Expression von Lactobacillus (SMD = −0,85, p < 0,001), Bifidobacterium (SMD = −1,17, p < 0,001) und Faecalibacterium prausnitzii (SMD = −1,05, p < 0,001) DNA im Stuhl von Reizdarmpatienten verglichen mit gesunden Kontrollen. Keine Unterschiede konnten für die Bacteroides-Prevotella Gruppe, Enterococcus, E. coli, C. coccoides u.a. gezeigt werden. Weiterhin wurden die verschiedenen Subtypen eines Reizdarms untersucht: Patienten, die an einen Diarrhö-dominanten Typ des Reizdarms leiden, hatten signifikant weniger Lactobacillus (SMD = −1,81, p < 0,001) und Bifidobacterium (SMD = −1,45, p < 0.001) im Stuhl im Vergleich zu gesunden Kontrollen. Beim Subtyp Verstopfung oder Mischtyp zeigten sich hier allerdings keine Unterschiede. Die Autoren spekulieren, dass die verschiedenen Reizdarmtypen eventuell eine andere Pathogenese aufweisen.

Die Methode der Real-time PCR kann gut zur Verifikation von Sequenzierungen und Quantifizierung bekannter Bakterien-DNA genutzt werden. Um ein noch unbekanntes Spektrum von Bakterien in Stuhlproben zu erfassen, sind andere Methoden von Vorteil.

Originalpublikation

Liu HN, Wu H, Chen YZ, Chen YJ, Shen XZ, Liu TT (2017). Altered molecular signature of intestinal microbiota in irritable bowel syndrome patients compared with healthy controls: A systematic review and meta-analysis. Dig Liver Dis 49: 331-337.

Informationen für medizinische Fachkreise – Nicht zur Weitergabe an Patienten