Verdauungsprobleme bei Parkinson-Patienten: Hilfe durch Prä- und Probiotika

Ein Mangel des Neurotransmitters Dopamin beeinträchtigt die Muskelkontrolle von Parkinson-Patienten und beeinflusst auch die Darmmotorik: Fast 90% aller Betroffenen leiden an Verstopfung. Eine aktuelle Studie zeigte eine Verbesserung der Stuhlfrequenz und –konsistenz durch Prä- und Probiotika bei Parkinson-Patienten.

Die Muskelaktivität im Darm von Parkinson-Erkrankten kann sich stark verlangsamen. Die Folge ist ein längeres Verweilen des Stuhls im Dickdarm mit erschwerter Entleerung. Oft dauert es mehr als 5 Tage bis die Nahrung den Magen-Darm-Trakt passiert hat. Bewegungsmangel und spezielle Parkinson-Medikamente tragen zur Herabsetzung der Verdauungsaktivität bei.

Italienische Wissenschaftler untersuchten jetzt den Effekt eines multi-strain Probiotikums mit Präbiotika auf die Stuhlfrequenz bei 120 Parkinson-Patienten. Patienten, die auch die Rom III-Kriterien der Obstipation erfüllten, erhielten 4 Wochen lang fermentierte Milch mit Probiotika/ Präbiotika (n=80) oder ein Placebo (n=40). Die tägliche Dosis des multi-strain Präparats enthielt 250 x 109 CFU von: Streptococcus salivarius subsp. thermophilus, Enterococcus faecium, Lactobacillus rhamnosus GG, L. acidophilus, L. plantarum, L. paracasei, L. delbrueckii subsp bulgaricus, Bifidobacterium breve und animalis subsp lactis mit 2,4g Fructo-Oligosacchariden als Präbiotikum.

Originalpublikation

Die Gabe von Prä- und Probiotika erhöhte die durchschnittliche Anzahl  der vollständigen Stuhlgänge bei Parkinson-Patienten mit Obstipation. Verabreicht wurde ein multi-strain Präparat (250 x 109 CFU/Tag) und Fructo-Oligosaccharide (2,4 g/Tag) über 4 Wochen. Woche 0 ist der durchschnittliche Wert einer 2-wöchigen Vorab-Phase.

Als primärer Endpunkt der Studie wurde die Zunahme der Anzahl vollständiger Stuhlgänge (CBMs) definiert. Patienten der Probiotika/Präbiotika-Gruppe zeigten hier eine signifkant stärkere Verbesserung der Stuhlfrequenz (p=0,001) im Vergleich zur Placebogruppe (p=0,76). Der durchschnittliche Unterschied der Stuhlentleerungen betrug 1.1 (p=0,002). In der dritten und vierten Interventionswoche berichteten die Teilnehmer der Probiotika/Präbiotika Gruppe sogar von mindestens 3 oder mehr vollständigen Darmentleerungen und insgesamt verbesserter Stuhlkonsistenz. Sie verwendeten deutlich weniger Abführmittel und bewerteten die Intervention als hilfreich. Inwieweit der Zusatz von Präbiotika die Ergebnisse der Stuhlfrequenz beeinflusste, wurde nicht genauer adressiert. Präbiotika dienen im Verdauungstrakt als Substrat für den bakteriellen Metabolismus und können so probiotische Bakterien in ihrer darmregulierenden Eigenschaft unterstützen.

Generell empfiehlt die Studie den Einsatz von Prä- und Probiotika als eine unterstützende Option bei Verstopfung in Parkinson-Patienten, um Stuhlfrequenz und -konsistenz zu verbessern und so den Gebrauch von Abführmitteln zu reduzieren.

Originalpublikation

Barichella M, Pacchetti C, Bolliri C, Cassani E, Iorio L, Pusani C, Pinelli G, Privitera G, Cesari I, Faierman SA, Caccialanza R, Pezzoli G, Cereda E (2016). Probiotics and prebiotic fiber for constipation associated with Parkinson disease: An RCT. Neurology Aug 19.

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