Probiotika und Antibiotika-assoziierte Diarrhoen auf der Intensivstation

Bei Antibiotikagabe stellen Probiotika eine vielversprechende Option dar, unerwünschte Nebenwirkungen wie Diarrhöen oder Clostridium difficile Infektionen zu vermeiden. Eine kanadische Pilotstudie untersuchte, ob Probiotika sicher über eine Magensonde den Patienten der Intensivstation verabreicht werden können.

Die Prävalenz für eine Antibiotika-assoziierte Diarrhoe (AAD) liegt auf Intensivstationen bei 68%. Von den betroffenen Patienten entwickelt ein weiteres Drittel eine gefährliche Clostridium difficile Infektion (CDI), Krankenhauskosten steigen immens. Studien zeigen einen positiven Trend bei AAD und CDI, wenn Probiotika zeitnah zur Antibiotikatherapie gegeben werden.

Eine kanadische Pilotstudie testete die Applikation eines kommerziell erhältlichen Probiotikums über eine Magensonde bei Patienten, die auf der Intensivstation mit Antibiotika behandelten wurden. Neben dem Sicherheitsaspekt beobachteten sie auch das Auftreten von Antibiotika-assoziierter Diarrhoe und Clostridium difficile Infektion. 32 Patienten mit ähnlichem Schweregrad der Erkrankung erhielten entweder eine probiotischen Bakterienstamm innerhalb 48 Stunden nach Einleitung einer Antibiotikatherapie (n=16) oder kein Probiotikum (n=16). In der Probiotikagruppe würden über eine naso- oder oral-gastrische Magensonde zwei mal täglich 10 Milliarden CFU L. casei sp paracasei CNCM I-1518 im zeitlich verzögerten Abstand zu Antibiotika verabreicht und noch 7 Tage nach Absetzen der Antibiotika weitergegeben.

Grafik: Probiotika über eine Magensonde verringerten die Inzidenz einer Antibiotika-assoziierten Diarrhoe (AAD) und Clostridium difficile Infektion (CDI) bei Intensivstation-Patienten im Vergleich zur Kontrolle.

Nach insgesamt 30 Tagen wurden die Daten ausgewertet und zeigten, dass die Lactobacillen sicher über eine Magensonde appliziert werden konnten. Die Inzidenz einer AAD lag in der Probiotika Gruppe bei 12.5% im Vergleich zur Kontrollgruppe mit 31.3%. Eine C. difficile Infektion entwickelte in der Probiotikagruppe ein Patient (6%), in der Kontrollgruppe dagegen 3 Patienten (18.75%) mit ernsten Komplikationen. In der Probiotikagruppe hatten sich 3 Patienten erbrochen, was als zweitrangig beurteilt wurde. Eventuell führt die hohe Osmolalität des aromatisierten Produktes zu einem verlängerten Verweilen im Magen und kann so leichter erbrochen werden.

Insgesamt beurteilen die Autoren die probiotische Gabe von L. casei sp paracasei über eine Magensonde als sicher und hilfreich, um das Auftreten Antibiotika-assoziierter Diarrhoe mit weiteren Komplikationen auf der Intensivstation zu reduzieren.

Originalpublikation

Alberda C, Marcushamer S, Hewer T, Journault N, Kutsogiannis D (2018). Feasibility of a Lactobacillus casei Drink in the Intensive Care Unit for Prevention of Antibiotic Associated Diarrhea and Clostridium difficile. Nutrients 10:539-552.

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