Wie das Altern unsere Darmmikrobiota verändert

Viele verschiedene Bakterienarten sorgen für einen gesunden Darm, im Alter nimmt jedoch die Diversität und Stabilität der Mikrobiota ab. Es kommt außerdem zum sogenannten Inflamm-Aging. Ein Review aus Australien fasst die Veränderungen unserer Darmmikrobiota im Alter und dessen Folgen zusammen.

Über die Lebensspanne hinweg verändert sich die Zusammensetzung unserer Mikrobiota immens. Für die bakterielle Besiedlung des Darms ist die Art der Geburt wegweisend sowie die Art der ersten Nahrung. Nach Einführung fester Nahrung verändert sich die bakterielle Diversität bis sie sich im Erwachsenenalter hauptsächlich auf Bacteroidetes und Firmicutes einpendelt.

Ab dem 63. bis 76. Lebensjahr allerdings verliert die Darmmikrobiota ihre relative Stabilität, signifikante Veränderungen treten auf. Diese gehen einher mit verschiedenen Erkrankungen, hormonellen Veränderungen, Medikamenten (vor allem Antibiotikakonsum) und reduzierter körperlicher Bewegung. Studien zeigen eine generelle Abnahme der Bacteroidetes mit den Gruppen Prevotella und Faecalibacterium prausnitzii. Die intestinale Motilität und Verdauung sind beeinträchtigt, es kommt häufiger zu Verstopfung und verlängerter Transitzeit. Obwohl die spezifische Immunabwehr abnimmt (Immunseneszenz), werden im Körper generell höhere Entzündungsmarker wie TNF-α, Interleukin-1β und IL-6  gebildet. Dieses Phänomen wird als Inflamm-Aging bezeichnet und treibt wiederrum weitere Erkrankungen voran.

Sequenzierungen des Darmmikrobioms in diesem Altersabschnitt zeigen, dass weniger Gene abgelesen werden, die für den Abbau von Kohlenhydraten zuständig sind, dafür sind Eiweiß-abbauende Funktionen verstärkt. Vor allem ist die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren (SCFAs) stark reduziert. Diese sind wichtig für den Energiehaushalt der Darmepithelzellen, wirken entzündungshemmend und unterstützen die Mucinproduktion. Weniger SCFAs können zu einer schlechteren Darmbarriere führen, bakterielle Bestandteile treten ins Blut über und rufen eine chronische Entzündung hervor.

Eine ballaststoffreiche Ernährung kann die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren erhöhen. Studien bei Älteren zeigten bereits, dass Präbiotika, Probiotika oder Synbiotika die Zusammensetzung der Darmmikrobiota verbessern und auch die Immunfunktion ankurbeln können.

Originalpublikation

Vemuri R, Gundamaraju R, Shastri MD, Shukla SD, Kalpurath K, Ball M, Tristram S, Shankar EM, Ahuja K, Eri R (2018). Gut Microbial Changes, Interactions, and Their Implications on Human Lifecycle: An Ageing Perspective. Biomed Res Int: Feb 26:4178607.

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