Unterstützung der Mundhygiene durch Probiotika

Bei mangelnder Mundhygiene bilden Bakterien im Mundraum vermehrt Säuren, die nicht nur die Zähne, sondern auch das Zahnfleisch angreifen. Ob Probiotika diese bakterielle Besiedlung verringern können, um Karies und Zahnfleischerkrankungen abzuwenden, analysierte ein systematischer Review aus Deutschland.

Bei Erkrankungen wie Karies, Gingivitis und Parodontose ist die Aktivität und Zusammensetzung des oralen Biofilms verändert. Um das Gleichgewicht der Mundflora zu verbessern, werden Probiotika zur Unterstützung der Zahnhygiene bereits in diversen Studien eingesetzt. Zellkulturstudien zeigten, dass probiotische Bakterien kariogene und parodontale Pathogene am Wachstum hindern und deren Biofilmbildung inhibieren können. Ein aktueller systematischer Review des Journal of Dentistry untersuchte die Inzidenz von Karies und parodontalen Erkrankungen (Gingivitis und Parodontose) nach Probiotikagabe.

Aktuell analyiserten Wissenschaftler der Charité Berlin 50 klinische Studien mit 3.247 Teilnehmern. Hauptsächlich wurden Lactobacillen und Bifidobakterien in verschiedenen Milchprodukten verabreicht. Im Durchschnitt lag die Probiotikadosis bei 1,26 x 1012 CFU/ml und die Interventionsdauer bei 8 Wochen.

Auswertungen zeigten, dass Streptococcus mutans im Mundraum durch probiotische Intervention abnehmen, die Zahl von Lactobacillen stieg dagegen leicht an. Die Karies-Inzidenz selbst konnte durch probiotische Anwendung nicht reduziert werden (Odds Ratio: 0,60). Allerdings verbesserten sich der parodontale Screening Index (bleeding on probing) und der Gingival-Index signifikant, die Entzündung des Zahnfleisches ging also zurück. Auch der Verlauf einer Parodontose verbesserte sich nach Probiotikagabe, die Tiefe der Zahnfleischtaschen ging zurück. Der bakterielle Belag der Zähne (Plaque Index) dagegen und das Vorkommen parodontaler Pathogene wie Aggregatibacter actinomycementcomitans, Porphyromonas gingivalis, Prevotella intermedia nahm nicht signifikant ab. Die Autoren des Reviews können aufgrund der Daten keine Empfehlung für einen Probiotikaeinsatz bei Kariesmanagement aussprechen, wohl aber für parodontale Erkrankungen. Für Lactobacillen empfehlen sie weitere Untersuchungen um herauszufinden, welche spezifischen Stämme kariogen sind und welche nicht.

Originalpublikation

Gruner D, Paris S, Schwendicke F (2016). Probiotics for managing caries and periodontitis: Systematic review and meta-analysis. J Dent 48:16-25.

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