Medikamente, Transitzeit und Schokolade beeinflussen Mikrobiom

The Flemish Gut Flora Project beinhaltet eine der größten aktuellen Bevölkerungsstudien, um die Variation des Darmmikrobioms bei gesunden Individuen zu analysieren. Belgische Wissenschaftler identifizierten 69 Lifestyle-Faktoren, die Zusammensetzung und Diversität der Mikrobiota beeinflussen.

Bei diversen Erkrankungen wurden bereits kompositionelle Veränderungen der Darmflora festgestellt. Welche Umwelt- und Lifestyle Faktoren die Mikrobiota  in der normalen Bevölkerung beeinflussen, interessierte das Team um Professor Jeroen Raes. Im Zuge des ‘Flemish Gut Flora Project’ wurden 1.106 Teilnehmern neben Stuhlproben auch Blutproben entnommen und analysiert. Auch Fragebögen zu Gesundheitszustand, Ernährung und Lifestyle flossen in die Auswertung ein. Daten der ‘Dutch LifeLines study’ mit 1.135 Teilnehmern sowie weitere globale Datensätze aus verschiedenen Ländern wurden zur Ergänzung herangezogen. Die Kombination mit globalen Datensätzen ergab eine Gruppe von 14 bakteriellen Gattungen, die ein universelles Kern-Mikrobiom bei allen Individuen darstellt. Die Wissenschaftler identifizierten 69 Faktoren, die im direkten Zusammenhang mit der bakteriellen Vielfalt der Darmmikrobiota stehen.

Originalpublikation

Die deutlichsten Faktoren waren der Gebrauch von Medikamenten und die Stuhlkonsistenz. Nicht nur Antibiotika weisen einen starken Effekt auf die Darmflora auf, auch Anti-Histaminika (z.B. einfache Heuschnupfenmittel), die Antibabypille, Abführmittel, Anti-Depressiva oder Hormone zur Behandlung bei Wechseljahrsbeschwerden verändern die Zusammensetzung der Darmflora signifikant. Eine längere intestinale Transitzeit ging mit besserer Stuhlkonsistenz einher und weist u.a. auf die Wasserverfügbarkeit im Darm hin. Dies war mit höherer Bakterienfülle assoziiert, Prevotella Enterotypen, Akkermansia und Methanobrevibacter Gattungen waren vermehrt. Auch die Ernährung stellt einen starken Faktor dar, die Mikrobiota zu modulieren. Ballaststoffarme Ernährung, z.B. durch regelmäßigen Verzehr weißmehlhaltiger Brote reduzierte die mikrobielle Diversität mit einer Prävalenz der Gattungen Bacteroides und Parabacteroides. Teilnehmer mit einer Vorliebe für dunkle Schokolade wiesen vermehrt nicht-klassifizierte Lachnospiracaea im Darm auf. Außerdem steht die Anzahl roter Blutkörperchen, Sauerstoffaufnahme und Mikrobiotakomposition in engem Zusammenhang. Interessanterweise schlugen sich frühe Lebensereignisse wie Art der Geburt (natürlich oder Kaiserschnitt) und, ob Teilnehmer als Neugeborene gestillt oder mit der Flasche aufgezogen wurden, nicht in Unterschieden der Darmflora nieder.

Trotz hoher Stichprobengröße dieser Studie zeigen die Ergebnisse nur einen Bruchteil des gesamten Darmmikrobioms, circa 7% der gesamten Variation. Schätzungsweise bräuchten die Wissenschaftler um die 40.000 Proben um sich ein komplettes Bild der Biodiversität der Darmmikrobiota zu machen.

Originalpublikation

Falony G, Joossens M, Vieira-Silva S, Wang J, Darzi Y, Faust K, Kurilshikov A, Bonder MJ, Valles-Colomer M, Vandeputte D, Tito RY, Chaffron S, Rymenans L, Verspecht C, De Sutter L, Lima-Mendez G, D’hoe K, Jonckheere K, Homola D, Garcia R, Tigchelaar EF, Eeckhaudt L, Fu J, Henckaerts L, Zhernakova A, Wijmenga C, Raes J (2016). Population-level analysis of gut microbiome variation. Science 352:560-4.

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