Probiotika bei Sepsis von Frühgeborene

Trotz präventiver Maßnahmen bleibt die Neugeborenen-Sepsis eine ernst zu nehmende Komplikation in der Geburtshilfe. Probiotika könnten eine Strategie darstellen, das frühkindliche Immunsystem mit hilfreichen Darmbakterien zu unterstützen, damit es Infektionen effektiver abwehren kann. Eine neue Metaanalyse in der Fachzeitschrift Pediatrics untersuchte diesbezüglich aktuelle Daten und kam zu einem positiven Fazit.

Von einer Neugeborenen-Sepsis sind besonders Frühgeborene sowie Kinder mit geringem Geburtsgewicht betroffen. Meist sind es Keime der Mutter (Streptokokken), die aufgrund des noch nicht ausreichend entwickelten Immunsystems des Kindes eine Infektion hervorrufen. Doch auch Beatmungsapparate oder Sonden stellen Infektionsherde dar. Man unterscheidet zwischen der Frühsepsis, die sich noch während oder kurz nach der Geburt ausbildet und einer Spätsepsis (late onset sepsis, LOS), bei der sich die ersten Krankheitssymptome erst nach 5 bis 7 Tagen zeigen. In den meisten Industrienationen werden Mütter, die positiv auf beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe B getestet wurden, während und kurz nach der Geburt mit Antibiotika behandelt, um die Übertragung der Keime auf das Kind zu verhindern.

Klinische Studien untersuchten die enterale Gabe von Probiotika bei Frühgeborenen, die bei der Ausreifung des Immunsystems helfen und das Risiko einer Sepsis senken sollen. Der letzte Cochrane Review von 2014 analysierte 19 Studien mit insgesamt 5.338 Kindern und fand keinen signifikanten Effekt auf das LOS-Risiko durch Probiotikagabe. Mittlerweile sind weitere Studien veröffentlicht, so dass australische Wissenschaftlicher anhand Metaanalyse und systematischem Review 37 randomisierte klinische Studien mit insgesamt 9.416 Teilnehmern auswerten konnten. 23 Studien verwendeten Lactobazillen oder Bifidobakterien als Einzelpräparate und 14 Studien Mischpräparate.

Insgesamt zeigte eine Probiotikagabe eine signifkante Reduktion der LOS-Inzidenz verglichen mit Placebo (13,9% versus 16,3%; p= 0,0007). Die Ergebnisse waren bei Kindern signifikant, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren wurden oder ein Geburtsgewicht von weniger als 1.500 g hatten (24 Studien mit 7.175 Kindern). Die Wissenschaftler befürworten eine Probiotikagabe als effektive Maßnahme, um das Risiko einer Spätsepsis bei Frühgeborenen vor der 37. Schwangerschaftswoche mit weniger als 2500 g Geburtsgewicht zu reduzieren.

Originalpublikation

Rao SC, Athalye-Jape GK, Deshpande GC, Simmer KN, Patole SK (2016). Probiotic Supplementation and Late-Onset Sepsis in Preterm Infants: A Meta-analysis. Pediatrics 137:1-16.

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