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Unsere Mikrobiota als Indikator für ein langes Leben?

Eine Querschnitts-Studie aus Spanien untersucht vier Altersgruppen auf Ernährungsgewohnheiten, primär vorkommende intestinale Mikroorganismen und kurzkettige Fettsäuren. Dabei stellt sich heraus, dass eine sehr lange Lebensdauer mit dem Auftreten bestimmter Bakteriengruppen korreliert.

Die Mikrobiota von Erwachsenen ist ohne äußere Störungen relativ stabil. Bei älteren Menschen wird allerdings von einer veränderten mikrobiellen Komposition berichtet. Dies kann teils auf eine unausgewogene Ernährungsweise, bedingt durch Appetitlosigkeit, und gestörte Nährstoffabsorption zurückzuführen sein. Auch ein beeinträchtigtes Immunsystem steht im Zusammenhang mit der Veränderungen der Mikrobiota. Wie und wann sich die Mikrobiota in diesem Alterungsprozess verändert ist noch nicht eingehend erforscht.

Um dies genauer zu beleuchten, wurden in einer spanischen Studie 153 Teilnehmer vier verschiedener Altersgruppen rekrutiert: <50 Jahre (n= 49), 50 – 65 Jahre (n= 58), 66 – 80 Jahre (n= 19) und >80 Jahre (n= 27). Anhand von Stuhlproben wurden intestinale Bakteriengruppen und kurzkettige Fettsäuren analysiert.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Gruppen Bifidobacterium, Faecalibacterium, Clostridium cluster XIVa und Bacteroides tendenziell bis zur Altersgruppe von 66 bis 80 Jahren verringerten. Interessanterweise nahmen in der Altersgruppe der über 80-Jährigen die zuvor reduzierten Bakteriengruppen wieder zu, mit Ausnahme von Faecalibacterium. Außerdem wurden in den Proben der über 80-Jährigen signifikant höhere Anzahlen der Akkermansia- und Lactobacillus-Gruppe als in den Proben der Erwachsenen und jüngeren Senioren gemessen (p< 0.05). Diese Bakteriengruppen zeigten eine signifikant positive Korrelation mit dem Alter der Probanden (p< 0.01), während sich für Faecalibacterium eine negative Korrelation ergab (p< 0.05). Dies lässt möglicherweise auf eine unterschiedliche Zusammensetzung der Mikrobiota von Individuen mit einer sehr hohen Lebensdauer schließen.

Weiterhin spielen die bakteriell produzierten kurzkettigen Fettsäuren Azetat, Propionat und Butyrat eine wichtige Rolle für die Darmgesundheit. In der vorliegenden Studie ging mit zunehmendem Alter eine progressiv verringerte Konzentration kurzkettiger Fettsäuren im Stuhl einher. In der Gruppe der über 80-Jährigen waren sowohl die gesamten als auch individuellen kurzkettigen Fettsäuren im Vergleich zur Gruppe der unter 50-Jährigen signifikant reduziert (p< 0.05). Diese Reduktion kann weitreichende Folgen für die Integrität der Darmbarriere und den Gesundheitszustand des Organismus haben. Da die Bakterienzahlen in der Altersgruppe von über 80 Jahren stabil blieben, kann dies auf eine verringerte metabolische Aktivität der Mikrobiota hindeuten.

Angaben zur Ernährung wurden mittels des sogenannten „Food Frequency“ Fragebogen gesammelt und ergaben hinsichtlich der Makronährstoffe, dass die Aufnahme von gesättigten sowie mehrfach ungesättigten Fettsäuren in der Gruppe der über 80-Jährigen am höchsten war. Hierbei korrelierten die mehrfach ungesättigten Fettsäuren negativ mit dem Vorkommen der Bacteroides-Gruppe (p< 0.05), während Vitamin C und B6 (p< 0.05), sowie Polyphenole (p< 0.01) positiv mit dieser Gruppe korrelierten. Die Aufnahme von Mikronährstoffen wie Folsäure, Karotin, Vitamin A und D sowie Polyphenolen sank in der Gruppe der über 80-Jährigen. Diese diätetischen Veränderungen erschweren die Darstellung möglicher Zusammenhänge einer modifizierten Mikrobiota mit dem Alterungsprozess auf der einen, oder mit Änderungen der Ernährungsweise auf der anderen Seite. Die vorliegende Studie zeigt  die Bedeutung dieser Wechselwirkungen für die Entwicklung entsprechender Diäten und Lebensmittel auf.

Grafik: Fäkale Konzentration von Azetat, Propionat, Butyrat und gesamter kurzkettiger Fettsäuren (KKF) je Altersgruppe in mM.

Originalpublikationen

Salazar N, Arboleya S, Fernández-Navarro T, de Los Reyes-Gavilán CG, Gonzalez S, Gueimonde M. Age-Associated Changes in Gut Microbiota and Dietary Components Related with the Immune System in Adulthood and Old Age: A Cross-Sectional Study. Nutrients. 2019;11:1765. DOI:10.3390/nu11081765