Newsletter 2019-2 Artikel 2

Stuhlprobenanalyse ermöglicht Abgrenzung des Reizdarmsyndroms von entzündlichen Darmerkrankungen

Eine detaillierte Charakterisierung der Mikrobiota durch shotgun sequencing zeigt Unterschiede in der mikrobiellen Signatur von entzündlichen Darmerkrankungen und dem Reizdarmsyndrom. Zukünftig könnte dieser Ansatz der Differentialdiagnostik helfen.

Die Symptome von chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ungen (IBD) und dem Reizdarmsyndrom (IBS) können sich ähneln, weshalb es für Ärzte oft schwierig ist zwischen diesen Erkrankungen zu unterscheiden. Eine sichere Differenzialdiagnose ist momentan nur durch eine Darmspiegelung möglich. Sowohl bei IBD als auch IBS kann die Darmmikrobiota im Krankheitsgeschehen eine große Rolle spielen.

Die vorliegende Studie aus den Niederlanden untersuchte die mikrobielle Zusammensetzung der Stuhlproben von Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen (n=355), Reizdarmsyndrom (n=412) und gesunden Kontrollen (n=1025) mittels ‘whole genome shotgun sequencing’. Anhand dieser neuen Methode können im Gegensatz zur 16S ribosomalen RNA Methode sämtliche Gene der im Darm vorkommenden Mikroorganismen sequenziert und analysiert werden, was detaillierten Aufschluss über deren Funktion oder Metabolismus gibt. So konnten verschiedene Faktoren wie mikrobielle Stoffwechselwege und antibiotische Resistenzen der Mikrobiota von Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen und Reizdarm mit gesunden Kontrollen verglichen werden.

Analysierten die Wissenschaftler Stuhlproben auf Spezies- und Strang-Level, so zeigten Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen vermehrt Bacteroidetes als gesunde Kontrollen. Bei Patienten mit Reizdarmsyndrom standen Firmicutes im Vordergrund. Gesunde Kontrollen wiesen vermehrt Actinobakterien auf. Die Analysen zeigten auch, dass im Vergleich zu gesunden Kontrollen vermehrt antibiotische Resistenz Gene in der Mikrobiota von Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen und Reizdarm vorkamen.

Anhand der Kombination von Daten der Top 20 mikrobiellen Taxonomien und Messwerten des intestinalen Entzündungsmarkers fäkales Calprotectin erreichte die diagnostische Qualität zur Unterscheidung von entzündlichen Darmerkrankungen und Reizdarmsyndrom eine hohe prognostische Treffsicherheit (ROC Kurve= 0.93, ROC-Kurve von 1.0 beschreibt eine sichere Diagnose). Die Ergebnisse tragen dazu bei, in Zukunft durch eine genaue Stuhldiagnose das Reizdarmsyndrom von entzündlichen Darmerkrankungen abzugrenzen.

Tabelle: Unterschiede in der Mikrobiota von gesunden Kontrollen, Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen und Reizdarm. Mittels shotgun metagenomics wurden 1792 Stuhlproben sequenziert.

Originalpublikation

Vila et al. 2018: Gut microbiota composition and functional changes in inflammatory bowel disease and irritable bowel syndrome

Informationen für medizinische Fachkreise