Der Einfluss von Probiotika auf Stuhlgangsprobleme

Bis zu 14% der europäischen Bevölkerung leidet an chronischer Verstopfung. Welche Faktoren die Auswahl von probiotischen Produkten zur Verbesserung der Darmgesundheit beeinflussen und welche verwendet bzw. vom Medizinern empfohlen werden, analysierte eine britische Studie.

Eine Nahrungsergänzung mit Probiotika hilft, die Zusammensetzung der Dammikrobiota und deren Stoffwechselprodukte positiv zu beeinflussen, was wiederum die Darmmotilität, die Funktion des enterischen Nervensystems und die Stuhlfrequenz bzw. -konsistenz verbessern kann. Verschiedene Studien zeigten bereits hilfreiche Effekte von Probiotika bei Verstopfung.

Im Rahmen einer Querschnittsumfrage analysierten englische Wissenschaftler, inwieweit die allgemeine Bevölkerung probiotische Produkte nutzt und als wirksam empfindet und ob Allgemeinmediziner und Gastroenterologen ihren Patienten Probiotika empfehlen. 2557 Teilnehmer der englischen Bevölkerung (934 davon berichteten von einer existenten Verstopfung, 1623 gaben vor, keine Verstopfung zu haben), 411 Allgemeinmediziner und 365 Gastroenterologen nahmen an der Umfrage teil.

13% der Teilnehmer mit Verstopfung konsumierten aktuell Probiotika, um ihre Verstopfungssymptome zu lindern. Nur 3% der Teilnehmer ohne Verstopfung taten dies explizit für ihre Darmgesundheit (p<0.001). Die genutzten oder von Ärzten empfohlenen probiotischen Produkte wiesen nicht das höchste Evidenzlevel auf. Teilnehmer mit Verstopfung nutzten vorrangig probiotische Lebensmittel wie Activia (Bifidobacterium lactis DN173010), Actimel (Lactobacillus casei DN-114 001) und Yakult (L. casei Shirota). Teilnehmer ohne Verstopfung griffen zuerst zu Actimel gefolgt von Activia und Yakult. Allgemeinmediziner empfahlen ihren Patienten das Nahrungsergänzungsmittel VSL#3 (Mischpräparat mit Streptococcus, Bifidobacterium und Lactobacillus Stämmen), Gastroenterologen hingegen Yakult. Insgesamt raten aber nur 10% der Allgemeinmediziner und 2% der Gastroenterologen zu Probiotika als Erstbehandlung bei chronischer Verstopfung.

Eine Empfehlung durch alternative Therapeuten (OR 2.5) und die Annahme, dass Probiotika in Forschungsstudien getestet wurden (OR 2.1), korrelierten mit Probiotikakonsum bei Teilnehmern mit Verstopfung. Teilnehmer ohne Verstopfung verwendeten Probiotika aufgrund einer formalen Diagnose durch einen Arzt (OR 1.9) und Einstufung in die ROM IV Kriterien für chronische Verstopfung (OR 1.3). Insgesamt glaubten 65% aller Teilnehmer, dass Probiotika zur Verbesserung von Verstopfung in Forschungsstudien getestet wurden. Im Gegenzug glaubten dies nur 35% der Allgemeinmedizinern und 43% der Gastroenterologen (p< 0.001).

In der vorliegenden Umfrage stellte Fernsehwerbung, gefolgt vom Sehen eines Produktes im Geschäft und dem Rat der Familie die bedeutsamste Quelle zur Auswahl von Probiotika dar.

Grafik: Informationsquelle für Probiotika-Gebrauch der britischen Allgemeinbevölkerung, aufgeteilt in Teilnehmer mit berichteter Verstopfung (n=346) und Teilnehmer ohne Verstopfung (n=181).

Originalpublikation

Dimidi E et al.: Probiotic use is common in constipation, but only a minority of general and specialist doctors recommend them and consider there to be an evidence base. Nutrition 2019; 61:157-163.

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