Gesund Altern - Das Potential von Probiotika in der Gesundheitsversorgung von Senioren

Viele Menschen haben den verständlichen Wunsch, ein langes Leben bei bester Gesundheit zu führen. Auch aus ökonomischer Sicht wäre dies ein ideales Szenario.

Experten zufolge wird erwartet, dass im Jahr 2060 etwa 33% der deutschen Bevölkerung über 65 Jahre alt sein wird und es doppelt so viele 70-Jährige wie Neugeborene geben wird. Dieser demographische Wandel stellt die Gesellschaft und insbesondere die Sozialsysteme vor große Herausforderungen. Eine zunehmende Anzahl chronischer Erkrankungen, welche vermehrt mit dem Alter auftreten, hat neben medizinischen und sozialen Auswirkungen für die betroffenen Personen auch finanzielle Folgen für die Gesundheitsversorgung. Viele chronische Erkrankungen im höheren Alter führen zu einem mehr oder minder großen Autonomieverlust bei Senioren, was wiederum zu einem höheren Aufwand für etwaige Pflegekräfte führt.

Eine diverse Darmmikrobiota mit einer großen Variation an Mikroorganismen trägt zu einem  widerstandsfähigen Gesundheitszustand bei. Durch ihre Diversität ist die Darmmikrobiota in der Lage, auf Veränderungen in der Umgebung zu reagieren. Hierzu zählt unter anderem das Eindringen von pathogenen Krankheitserregern, die Einnahme von Medikamenten sowie Umstellungen in der Ernährung. Aus einer großen irischen Kohortenstudie (ELDERMET-Projekt) geht hervor, dass vor allem bei älteren Personen die Zusammensetzung der Darmmikrobiota von der Ernährung und verschiedensten Umweltfaktoren abhängt. In entwickelten Ländern ist im jüngeren Lebensalter diese Abhängigkeit minder evident, da die Darmmikrobiota zu diesem Zeitpunkt besser auf Veränderungen und externe Einflüsse reagieren kann. Interessanterweise scheint eine weniger diverse Vielfalt von Darmbakterien bei Senioren, die in einer Pflegeeinrichtung leben, mit einem instabileren Gesundheitszustand assoziiert zu sein. Die Diversität der Mikrobiota wird durch verschiedenste Faktoren beeinflusst. Bei älteren Menschen zählen hierzu insbesondere der Verlust von Zähnen, eine verringerte Speichelproduktion, ein geschwächtes Immunsystem, chronische Entzündungen, häufige Medikamenteneinnahme, Veränderungen im Wohnraum, eine verringerte Ballaststoff- und Flüssigkeitsaufnahme sowie eine generelle Unterernährung. Auffällig viele Senioren in Pflegeeinrichtungen haben auch mit gastrointestinalen Beschwerden zu kämpfen.

 

Einsatz von Probiotika

Meta-Analysen zeigen, dass Probiotika sowohl das Risiko auf Antibiotika-assoziierte Diarrhö als auch auf Verstopfungsbeschwerden verringern können. Generell kann der Konsum von Probiotika helfen, eine gestörte Darmmikrobiota wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Verschiedenste Studien unterstreichen die Effektivität von probiotischen Lebensmitteln zum Beispiel für die Verbesserung von Stuhlgangsproblemen in Pflegeeinrichtungen. Außerdem sind Probiotika relativ günstig. Auch eine Kostenersparnis in der Gesundheitsversorgung durch die Einsparung anderer Medikamente ist denkbar. Ein Artikel aus dem Jahr 2014 zeigt, dass der Einsatz von Probiotika zur Prävention von Antibiotika-assoziierter Diarrhöen bei Senioren (> 65 Jahre) in einem britischen Krankenhaus zu einer Kostenersparnis von etwa 390 € pro Patient führt. Somit sind Probiotika potentiell wertvoll für die Gesundheitsversorgung von Senioren in Pflegeeinrichtungen.

Originalpublikationen

Bevölkerungsentwicklung in den Bundesländern bis 2060: Ergebnisse der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung. Statistisches Bundesamt 2015

Claesson MJ et al.: Gut microbiota composition correlates with diet and health in the elderly. Nature 2012; 488(7410):178-84

http://eldermet.ucc-ie/

Duncan SH & Flint HJ: Probiotics and prebiotics and health in ageing populations. Maturitas 2013; 75(1):44-50.

Tiihonen K et al.: Human intestinal microbiota and healthy ageing. Ageing Res Rev 2010; 9(2):107-16.

Cevenini E et al.: Inflamm-ageing. Curr Opin Clin Nutr Metab Care 2013; 16(1):14-20.

De Klerk M: Zorg in de laatste jaren – Gezondheid en hulpgebruik in verzorgings- en verpleeghuizen 2000-2008. Sociaal en Cultureel Planbureau, Den Haag 2011.

Van den Berg SW et al.: Voeding in relatie tot aandoeningen en medicijngebruik bij ouderen. Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu, RIVM Rapport 350047001, 2012.

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Mancabelli L et al.: Unveiling the gut microbiota composition and functionality associated with constipation through metagenomic analyses. Sci Rep 2017; 7(1):9879.

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Hempel S et al.: Probiotics for the prevention and treatment of antibiotic-associated diarrhea: a systematic review and meta-analysis. JAMA 2012; 307(18):1959-69.

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