Parkinson und die Darmmikrobiota

Bei der Pathogenese von Parkinson scheint dem Magen-Darm-Trakt eine besondere Rolle zuzukommen. Eine Publikation in dem renommierten Journal PLoS ONE vermittelt Einblicke in die Zusammensetzung der Mikrobiota von Parkinson-Patienten und deren Krankheitsverlauf über einen Zeitraum von 2 Jahren.

Es besteht die Möglichkeit, dass der Darm bei der Entstehung der neurodegenerativen Krankheit Morbus Parkinson involviert ist. Die im Gehirn vorkommenden Eiweiß-Ablagerungen bei Parkinson-Patienten treten nämlich auch in den Nervengeflechten des Magen-Darm Traktes auf. Über Nervenverbindungen könnten sie vom Darm ins Gehirn gelangen und sich dort ausbreiten. Ob der Darmmikrobiota in diesem Prozess eine Rolle zukommt ist noch unklar, verschiedene Studien zeigten allerdings eine intestinale Dysbiose in Parkinson-Patienten.

Ein japanisches Forscherteam untersuchte jetzt die Mikrobiota von Parkinson Patienten über einen Zeitraum von 2 Jahren, um mit dem Krankheitsverlauf assoziierte Bakterienstämme zu identifizieren. Anhand einer Parkinson Beurteilungsskala (UPDRS* Skala) wurden 36 Patienten in zwei Gruppen eingeteilt, 18 Patienten mit stabilem Morbus Parkinson und 18 Patienten mit bereits fortgeschrittener Erkrankung. Von beiden Gruppen wurden zu Beginn und nach 2 Jahren Stuhlproben mittels Yakult Intestinal Flora-SCAN Tests analysiert. Generell sank über die zwei Jahre die Bakterienzahl im Stuhl beider Gruppen stark ab. In der fortgeschrittenen Parkinsongruppe war vor allem die Lactobacillus gasseri Untergruppe stark betroffen. In der stabilen Gruppe waren nach 2 Jahren sieben Bakteriengruppen reduziert: neben der L. gasseri Untergruppe auch Bifidobacterium, Clostridium leptum, Bacteroides fragilis, Atopobium, Enterococcus sowie die L. reuteri Untergruppe.

Mittels Regressionsanalysen konnten die Forscher Zusammenhänge der anfänglichen Zahl von Bifidobacterium und Atopobium Cluster und einer Verschlechterung der Parkinson Beurteilungsskala nach 2 Jahren (r=0,52, p<0,05) vorhersagen. Bei weniger Bifidobakterien kam es zu vermehrten Halluzinationen (r=-0,56, p<0,01) sowie bei veränderten B. fragilis Zahlen zu mangelnder Motivation und Initiative der Probanden (r=-0,38, p<0,05). Vorkommen von L. brevis (r=0,92; p<0,0001) und der L. plantarum Untergruppe (r=0,44; p<0,05) zu Beginn der Studie korrelierte nach 2 Jahren mit verändertem Lipopolysaccharid-bindenden Protein im Serum, einem Indikator für eine durchlässige Darmbarriere. Eine größere Kohorte mit Patienten aus unterschiedlichen Gebieten weltweit könnte Aufschluss darüber geben, ob die mikrobiellen Veränderungen im Darm eine Rolle bei der Parkinson Erkrankung spielen oder nicht.

*UPDRS Skala = Unified Parkinson’s disease rating scale

Originalpublikation

Minato T, Maeda T, Fujisawa Y, Tsuji H, Nomoto K, Ohno K, Hirayama M (2018). Progression of Parkinson’s disease is associated with gut dysbiosis: Two-year follow-up study. PLoS One 12:e0187307.

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