Probiotika reduzieren den Verlust der Knochendichte

Osteoporose ist die häufigste Knochenerkrankung im höheren Lebensalter. Probiotika können diesen altersbedingten Knochenschwund bremsen, wie eine aktuelle schwedische Studie erstmals zeigt.

Bei der Osteoporose ist der Verlust der vernetzten Knochensubstanz besonders ausgeprägt. Die Knochendichte nimmt so stark ab, dass Knochen schnell brechen. Insbesondere Frauen nach den Wechseljahren sind von einer Osteoporose betroffen, die Krankheit steht eng mit dem Hormonhaushalt in Verbindung. Auch eine chronische Entzündung kann Osteoporose vorantreiben. Über entzündliche Botenstoffe werden knochenabbauende Zellen (Osteoklasten) stimuliert, sodass vermehrt Knochenmaterial resorbiert als aufgebaut wird. Da Probiotika bereits in vielen Studien entzündungshemmende Eigenschaften zeigten, untersuchten schwedische Wissenschaftler jetzt erstmals die Wirksamkeit von Lactobacillen im Hinblick auf Verlust der Knochendichte bei Osteoporose Patienten.

In einer doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie wurden 90 weibliche Teilnehmer mit geringer Knochendichte (Altersdurchschnitt 76 Jahre) rekrutiert, von denen 70 die Studie abschlossen. Für die Dauer von 12 Monaten erhielten 34 Teilnehmerinnen täglich das Probiotikum Lactobacillus reuteri 6475 (1×1010KBE), 36 einen Placebo. Nach 12 Monaten untersuchten die Forscher den relativen Verlust von Knochenmineraldichte am Unterschenkelknochen. Die L. reuteri Gruppe zeigte mit -0,83% nur einen halb so großen Knochenschwund wie die Placebogruppe mit -1,85% (p= 0,047, Intention-to-Treat Analyse). Die Per-Protocol-Analyse bestätigte dies. Die Knochendichte in der Probiotikagruppe zeigte eine relative Abnahme von -0,93%, während die Placebogruppe mit -1,86% fast doppelt so viel Knochenschwund aufwies (p=0,013). Die Schwächung der Trabekel, der dreidimensionalen Knochenmatrix, war in der Probiotikagruppe um 0,80% geringer als in der Placebogruppe (ITT; p=0,02). Nebenwirkungen wie gastrointestinale Symptome unterschieden sich nicht zwischen den Gruppen. Die Autoren sehen in einer probiotischen Supplementation ein vielversprechendes Konzept bei Knochenschwund und Osteoporose.

Grafik: Verringerter Knochenschwund durch Lactobacillus reuteri 6475. Relative Veränderung der totalen volumetrischen Knochenmineraldichte (vBMD) im Unterschenkelknochen nach 12 Monaten L. reuteri 6475 Supplementation oder Placebo (ITT: Intention-to-Treat Analyse, PP: Per-Protocol Analyse).

Originalpublikation

Nilsson AG, Sundh D, Bäckhed F, Lorentzon M (2018). Lactobacillus reuteri reduces bone loss in older women with low bone mineral density: a randomized, placebo-controlled, double-blind, clinical trial. J Intern Med: Jun 21 (Epub ahead of print).

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