Lactobacillus casei Shirota reduziert bakterielle Translokation bei Diabetes

Veränderungen der Darmmikrobiota stehen im Verdacht, über eine durchlässig gewordene Darmbarriere Entzündungsprozesse im Körper voranzutreiben und so die Entwicklung von Insulinresistenz und Typ-2 Diabetes zu fördern. Japanische Wissenschaftler zeigten nach einer Intervention mit Lactobacillus casei Shirota reduzierte Bakterienzahlen im Blut von Diabetespatienten.

 Bei Dysbiosen des Darms sind meist die Bakterien stark reduziert, die durch die Bildung von kurzkettigen Fettsäuren maßgeblich zum Erhalt der Darmschleimhaut beitragen. Auch Bakterien, die eine gesunde Schleimbildung sowie den Zusammenhalt der mukosalen Epithelzellen fördern, werden verdrängt, die Darmbarriere wird stellenweise durchlässig. Bakterielle Produkte treten vom Darm ins Blut über und führen zu einer niedriggradigen Entzündung (metabolische Endotoxinämie). Diese kann eine Insulinresistenz fördern: das Gewebe spricht nicht mehr auf Insulin an, die Glukosewerte im Blut steigen.

Forscher aus Tokyo stellten bereits eine Dysbiose der Mikrobiota und erhöhte Bakterienzahlen im Blut von Patienten mit Typ-2 Diabetes fest. In der vorliegenden Folgestudie untersuchten sie, ob eine tägliche Lactobacillus casei Shirota (LcS) Gabe bei Typ-2 Diabetespatienten die Darmbarriere stärken kann. Über 16 Wochen hinweg erhielten 35 Teilnehmer täglich fermentierte Milch mit 4 × 1010 LcS, 35 Teilnehmer Milch ohne Probiotika zur Kontrolle. Stuhl- oder Blutproben wurden zu Beginn, nach 8 und 16 Wochen entnommen, um die Mikrobiotazusammensetzung sowie Marker der Insulinresistenz (HbA1c, Nüchtern-Blutzucker, Glucoalbumin) und Entzündung (C-reaktives Protein, Interleukin-6, Tumor Nekrose Faktor-alpha, Leptin-bindendes Protein) zu messen.

Originalpublikation

Grafik: Gesamtzahl von Bakterien im Blut von Typ-2 Diabetes Patienten im Verlauf einer LcS Intervention. Gezeigt ist die totale Bakterienzahl pro ml Blut in der Kontrollgruppe (blau) und der Probiotikagruppe (rot) nach 0, 8 und 16 Wochen Intervention.

Beide Gruppen starteten mit einer ähnlich zusammengesetzten Mikrobiota. Nach 8 und 16 Wochen Intervention zeigte die Probiotikagrupe signifikant mehr L. casei (p < 0,01), L. gasseri und L. reuteri (p < 0,05) im Stuhl als die Kontrollgruppe sowie eine erhöhte Anzahl von Clostridium coccoides und der Untergruppe C. leptum (p < 0,05). Die Detektionsrate von Bakterien im Blut war zu Beginn in beiden Gruppen ähnlich. Nach 16-wöchiger LcS-Gabe war die bakterielle Translokation reduziert: Die Gesamtzahl von Bakterien im Blut sank in der Probiotikagruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant ab (p < 0,05). Entzündungswerte sowie die Marker der Insulinresistenz konnten durch die probiotische Supplementation nicht signifikant beeinflusst werden. Die Autoren schlagen vor, diesen Ansatz mit zusätzlichen Präbiotika zu wiederholen sowie die Menge und Dauer der Supplementation zu erhöhen oder Multispezies-Präparate zu verwenden. Auch eine höhere Patientenzahl und ein doppelblind Placebo-kontrolliertes Design wird für weitere Studien empfohlen.

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