Salz verändert unser Darmmikrobiom 

Ein hoher Salzkonsum kann zu Herz-Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck führen. Salz wirkt sich aber auch auf unser Darmmikrobiom aus, wie Berliner Wissenschaftler kürzlich im Fachjournal Nature publizierten. Besonders Lactobacillen scheinen salzempfindlich zu sein.

NaCl ist lebenswichtig für unseren Köper. In Industriestaaten liegt der Salzkonsum allerdings deutlich höher als empfohlen, was oft unbewusst durch zugesetzte Salze in Fertigprodukten, Wurst oder Backwaren aufgenommen wird. Der Einfluss von Salz auf die menschliche Darmmikrobiota wurde bisher noch nicht untersucht. Berliner Wissenschaftler des Max-Delbrück Zentrums sowie der Charité wiesen kürzlich auf mögliche drastische Konsequenzen hin. Ihre anfänglichen experimentellen Daten konnten Sie in nun einer ersten Humanstudie bestätigen.

Lactobacillen erwiesen sich als sehr salzempfindlich
Anhand einer klinischen open-label Pilotstudie untersuchten die Wissenschaftler den Effekt eines erhöhten Salzkonsums auf die Darmmikrobiota sowie kardiovaskuläre und immunmodulierende Funktionen. 12 männliche Probanden im Alter von 18-50 Jahren nahmen 14 Tage zusätzlich zu ihrer normalen Kost 6 g Natriumchlorid auf. Diese 14-tägige hohe Salzzufuhr ließ sowohl den diastolischen (p<0,0001) als auch den systolischen (p<0,05) Blutdruck signifikant ansteigen. Metagenomische Sequenzierungen der Stuhlproben vor und nach der erhöhten Salzaufnahme zeigten einen drastischen Verlust von Lactobacillen im Darm: Neun von zehn Lactobacillus Populationen, die anfänglich im Stuhl vorhanden waren, konnten nicht mehr nachgewiesen werden.

 

Originalpublikation

Grafik: Ein verstärkter Salzkonsum erhöht die Zahl von pro-inflammatorischen Th17- Zellen im Blut. Die relative Anzahl von CD4+IL-17A+TNF+ Zellen im peripheren Blut wurde mittels Durchflusszytometrie zu Beginn und nach 14 Tagen erhöhter Salzzufuhr analysiert.

Auch Immunmarker werden durch Salz beeinflusst
Die Analyse weiterer bereits publizierter metagenomischer Datensätze zeigte vergleichbare Ergebnisse. Lactobacillen scheinen gegenüber Salz eine sehr geringe Widerstandsfähigkeit aufzuweisen. Bei den Probanden traten durch die hohe Salzzufuhr vermehrt Th17-Zellen im Blut auf (p<0,01). Dies sind pro-inflammatorische Zellen die mit Autoimmunerkrankungen sowie Bluthochdruck in Verbindung stehen.

Inwieweit weitere Darmbakterien  an diesen Zusammenhängen beteiligt sind, muss noch gezeigt werden. Interessant ist allerdings dass sich ein klarer immunologischer Effekt durch hohen Salzkonsum zeigt, welcher spezielle Krankheitsbilder wie z.B. Bluthochdruck oder Autoimmunerkrankungen begünstigen kann.

Originalpublikation

Wilck N, Matus MG, Kearney SM, Olesen SW, Forslund K, Bartolomaeus H, Haase S, Mähler A, Balogh A, Markó L, Vvedenskaya O, Kleiner FH, Tsvetkov D, Klug L, Costea PI, Sunagawa S, Maier L, Rakova N, Schatz V, Neubert P, Frätzer C, Krannich A, Gollasch M, Grohme DA, Côrte-Real BF, Gerlach RG, Basic M, Typas A, Wu C, Titze JM, Jantsch J, Boschmann M, Dechend R, Kleinewietfeld M, Kempa S, Bork P, Linker RA, Alm EJ, Müller DN (2017). Salt-responsive gut commensal modulates TH17 axis and disease. Nature 551(7682):585-589.

 

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